Kategorie: Journal

Bauer unser: Billige Nahrung, teuer erkauft

Foto: Allegro Film 2016

Nachdem der Film in Österreich bereits viele Besucher in die Kinos zog, läuft Bauer unser, die neue Dokumentation von Robert Schabus, seit einer guten Woche auch in Deutschland. Darin wird eindrücklich gezeigt, unter welchem Druck Landwirte heutzutage leiden. Überleben kann nur noch, wer sich spezialisiert oder um jeden Preis wächst – oft zu Lasten der Tiere oder der Produkte. Im Film werden die verschiedenen Ansätze ebenso gezeigt wie die politischen Zusammenhänge in einem globalen Markt. Die Süddeutsche Zeitung hat den Film bereits besprochen und einen umfassenden Artikel dazu geschrieben. Wem das zu viel Text ist, kann sich hier mit dem Trailer ein Bild vom Film machen:

Ihr fragt euch jetzt, wo dieser Film läuft? Hier gibt es eine interaktive Karte mit allen Spielorten!

Lesestoff für’s Wochenende

Lesestoff

Es hat lange gedauert, aber ich bin jetzt endlich mal dazugekommen, meine Empfehlungen für Blogs, Magazine und Bücher rund um das Thema Essen & Trinken zusammenzufassen. Und damit das nicht irgendwann in einer Blog-Kategorie untergeht, habe ich eine zentrale Seite angelegt, die sicher auch hier und da mal geupdatet wird. Ihr findet die gesammelten Empfehlungen unter Das Magazin → Lesestoff.

Leseempfehlung: Safran statt Opium

Foto: Conflictfood / Das Filter

Jan-Peter Wulf, der unter anderem den nomyblog betreibt, hat für das Online-Magazin DAS FILTER vor einiger Zeit das Berliner Startup Conflictfood portraitiert. Das Unternehmen handelt fair mit Spezialitäten aus Krisenregionen rund um den Globus und leistet damit einen Beitrag zur lokalen Entwicklung und schafft Perspektiven, wo diese dringend gebraucht werden. Das erste Produkt des Unternehmens ist Safran von einem Frauenkollektiv aus Afghanistan, bald gibt es auch Freekeh aus Palästina. Ein spannender Text über ein tolles Projekt:

Eine Ernte mit äußerst geringem Ertrag: Rund 200.000 Krokusblüten müssen vorsichtig von Hand gepflückt werden, um gerade mal ein Kilogramm des „Königs unter den Gewürzen“ zu gewinnen. „Wir fanden besonders spannend, dass es eine Gruppe von Frauen war, die den Umstieg von Opium auf Safran aktiv gewagt hat“, so Salem. Die Frauen haben sich in einem Rat organisiert, einer Schura, die nicht nur den Lebensmittelanbau steuert, sondern auch Bildungsangebote im Dorf geschaffen hat.

Den vollständigen Text gibt’s hier: http://dasfilter.com/leben-stil/safran-statt-opium-neue-businessmodelle-im-kriegsland-afghanistan-conflict-food

Hörempfehlung: Podcast mit Lutz Geißler über das Brotbacken

Brot

Brot ist ja meine große Schwäche. Für ein wirklich gutes Brot mit Butter und etwas Salz lasse ich jedes Filet liegen. Glücklicherweise gibt es Menschen da draußen, denen es genau so geht und die sich dann ausgiebig mit dem Thema Brotbacken auseinandersetzen.

Einer von ihnen ist Lutz Geißler, der als studierter Geologe den Hammer an den Nagel gehängt hat und sich inzwischen voll und ganz dem Backhandwerk widmet. Über seine Erfahrungen schreibt er seit vielen Jahren auf ploetzblog.de, ist inzwischen Autor mehrerer (Brot-)Backbücher und hält Workshops zum Thema Backen in der ganzen Republik. Jetzt hat er sich für den Podcast „CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft“ mit Tim Pritlove zusammengesetzt und die beiden unterhalten sich knappe drei Stunden über die Geschichte und das Handwerk des Brotbackens. Ich hab die Episode zwar erst zur Hälfte durchgehört, habe aber bereits viel dazugelernt und kann sie schon jetzt uneingeschränkt empfehlen. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder die nächste Zugfahrt! Einfach auf das Bild unten oder den Link klicken und zurücklehnen. Und irgendwann traue ich mich dann auch mal an das erste selbstgemachte Sauerteig-Brot…

CRE 213 – Brot

Direktlink: http://cre.fm/cre213-brot#t=00:00

Leseempfehlung: Freunde von Freunden im Schwarzwald bei Monkey 47

© Freunde von Freunden / Robert Rieger

Vanessa Oberin und Robert Rieger waren für Freunde von Freunden im Schwarzwald unterwegs. Dort haben sie den ehemaligen Nokia-Manager Alexander Stein besucht und sich mit ihm über seinen Gin Monkey 47 unterhalten. Mitgebracht von ihrem Besuch haben sie eine lesenswerte Geschichte über die Schnapsidee, Gin im Schwarzwald zu brennen. Und wunderbare Bilder des Hofguts, auf dem der Gin mit dem Affen hergestellt wird.

„Gin ist erst auf den zweiten Blick logisch im Schwarzwald beheimatet“, räumt der Quereinsteiger ein. Wer aber genau hinschaut, bemerkt, dass hier viele für die Produktion eines guten Gins unerlässliche Komponenten bereits vorhanden sind, wie beispielsweise extrem weiches Quellwasser und viele der pflanzlichen Zutaten; zumal die Region über eine beispiellose Brennerei-Tradition und eine vielfältige Kultur an Obstbränden und Kräutergeistern verfügt. Bis heute soll es in der Region 28.000 Kleinbrennereien geben. Nur an Gin hatte hier keiner zuvor gedacht. „Die Frage, warum eigentlich niemand im Schwarzwald Gin macht, lag also auf der Hand.“

Den ganzen Artikel gibt’s drüben bei den Freunden von Freundenhttp://www.freundevonfreunden.com/de/interviews/after-the-gin-flood-how-alexander-stein-turned-monkey-47-into-a-long-running-hit/

The Migrant Kitchen: 5-teilige Webserie über Migration und Essen

The Migrant Kitchen

Das von mir sehr geschätzte Magazin Life & Thyme veröffentlicht in den folgenden Wochen spannende Videos zum Thema Essen und Migration: The Migrant Kitchen. Dafür portraitieren sie verschiedene Köche unterschiedlicher Herkunft, die inzwischen in Los Angeles Fuß gefasst haben. Ein Projekt, das sicher auch in Deutschland spannend wäre. Neben den Personen selbst stehen natürlich ihre landestypische Küche und die kulturelle Bedeutung von Essen im Mittelpunkt. Die erste Folge ist bereits online und kann hier in voller Länge angeschaut werden. Es geht um Jorge Dugal aus Guatemala und seine kulinarischen Wurzeln. 10 sehr lohnenswerte Minuten:

Die nächste Folge kommt bereits übermorgen, den kompletten Überblick findet ihr hier: http://lifeandthyme.com/themigrantkitchen/

Leseempfehlung: Die Geschichte der Bonanza Coffee Roasters

Coffee

Über Kaffee habe ich hier ja bereits geschrieben. Ein ebenfalls sehr spannendes Unternehmen aus diesem Bereich sind die „Bonanza Coffee Roasters“ aus Berlin. Pünktlich zum Berlin Coffee Festival hat der gute André a.k.a. @bosch auf boschblog.de seinen Artikel über die Anfänge und die Entwicklung der Rösterei, der auch bereits im Standart Magazine erschienen ist, nochmal auf Deutsch veröffentlicht. Also brüht euch eine gute Tasse und genießt dazu diese wunderbare Wochenend-Lektüre:

Viel hat sich verändert in den vergangen zehn Jahren, aber die Liebe zum Kaffee ist, was alle bei Bonanza gemeinsam antreibt. Kaffee ist eines der meistkonsumierten Getränke überhaupt. Obwohl Bonanzas Marktanteil so klein ist, dass er bezogen auf den Gesamtmark kaum messbar ist, handelt es sich um ein Unternehmen mit riesiger Innovationskraft, getragen von einem großartigen Team. Trotzdem sieht sich Bonanza nicht als elitären Anbieter. „In Deutschland ist die Zielgruppe für Specialty Coffee noch ziemlich klein“, sagt Yumi. „Die Szene muss sehen, ob und wie es hinbekommt, nicht nur Kaffee für Enthusiasten zu machen, sondern besseren Kaffee auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei ist es gut, für bessere Qualitäten auch höhere Preise zu bezahlen“.

Den ganzen Artikel findet ihr hier: http://boschblog.de/2016/08/30/bonanza-coffee-roasters/

Leseempfehlung: Wir haben keine Ahnung, was wir essen

Tomatenretter

Der Artikel ist zwar schon im Februar dieses Jahres erschienen, aber nach wie vor hochaktuell: Jan Willmroth beschreibt in seinem Essay „Wir haben keine Ahnung, was wir essen“ in der Süddeutschen Zeitung den Zustand des Lebensmittelmarktes in Deutschland. Supermärkte suggerieren uns eine unglaubliche Produktvielfalt, die es dort aber eigentlich gar nicht gibt. Was letztendlich dazu führt, dass uns der Sinn für und das Wissen um die Produktqualität abhanden kommen und nur noch der Preis das entscheidende Kriterium für den Kauf einer Ware ist. Und das darf nicht passieren.

„Was Menschen heute in Supermärkten kaufen, in denen es kaum noch saisonale Ausnahmen gibt, ist nur noch die Idee einer Tomate. Irgendwo auf dem Weg von Mittel- und Südamerika zu den Tellern auf der Nordhalbkugel scheint jemand beim Züchten vergessen zu haben, dass diese Kulturpflanze auch nach etwas schmecken sollte, anstatt nur gleichmäßig knallrot zu sein. Übrig geblieben ist eine industrialisierte Einheits-Strauchtomate, unreif geerntet in den gigantischen Gewächshäusern von Almería an der spanischen Mittelmeerküste, deren weiße Plastikdächer noch auf Satellitenfotos zu erkennen sind und unter denen Tomatenpflanzen in Nährlösung hängen.“

Das ganze, sehr lesenswerte Essay gibt es hier: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/essay-erst-kommt-die-moral-1.2850446

Leseempfehlung: David Chang über Geschmack

David Chang, den einige vielleicht aus der Netflix-Serie „Mind of a Chef“ kennen,  stellt in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Wired seine „Unified Theory of Deliciousness“ vor. Durchaus interessante Gedankengänge, die hier angestellt werden:

Lots of cooks strip a dish down to its component flavors and re-create them in different ways. That’s the whole concept behind deconstructed dishes. But where this gets really exciting is when you realize that many dishes from around the world share some of these base patterns, and by reverse-engineering one of these dishes you can actually tap into many of them at the same time.

Den ganzen Artikel gibt es auf wired.com: http://www.wired.com/2016/07/chef-david-chang-on-deliciousness/

Leseempfehlung: Splendido Magazin

Splendido

Kleine Leseempfehlung: Das Splendido Magazin hat sich mit dem Vizepräsidenten von Slow Food Italia über den Slow Food-Ansatz und sein Verhältnis zu Essen unterhalten. Darin findet sich unter anderem dieses schöne Zitat:

„Das ist ja der Witz daran: Es ist überhaupt nicht schwer. Du musst kein Aktivist werden und auch kein Politiker. Du musst einfach nur vernünftig einkaufen. Was du auf deinen Tisch stellst, verändert bereits die Welt. Wenn du dieses eine lokale Bier statt dem importierten kaufst, oder dieses eine Brot statt jenem, weil du weißt, dass das eine fairer und vor Ort produziert wurde, änderst du schon unglaublich viel.“

Das ganze Interview findet ihr hier: http://splendido-magazin.de/slow-food-interview/