Woche für Woche schleppen wir mit unseren Supermarkt-Einkäufen viel zu viel Müll mit nach Hause, egal ob in der Plastiktüte oder im Jutebeutel. Aus diesem Grund starteten vor ein paar Jahren mit “Unverpackt” in Kiel und “Original Unverpackt” in Berlin die ersten Supermärkte, die ohne Verpackungsmüll auskommen wollen. Und auch in Hamburg soll mit “Stückgut” bald der erste verpackungsfreie Supermarkt der Stadt eröffnen. Das entsprechende Crowdfunding läuft derzeit und kann hier unterstützt werden. Im Süden der Republik, genauer gesagt in München, gibt es mit “OHNE der Verpackungsfreie Supermarkt” seit Februar ein ähnliches Konzept zum verpackungsfreien Einkaufen. Christine Traub ist dort eine der Geschäftsführerinnen und war so nett, mir ein paar Fragen zur Idee und zum Konzept von “OHNE” zu beantworten.

Hallo Christine. Stell dich doch einmal kurz vor!

Ich bin Chrissi, 31 Jahre jung, gebürtig aus Göppingen. Mit Beginn meines Studiums bin ich nach München gezogen und lebe seit mittlerweile über 10 Jahren hier. Nach Jobs in der Banken- und Unterhaltungsbranche habe ich den großen Schritt gewagt und mit Hannah und Carlo unser gemeinsames Startup gegründet. Damit geht für mich der Traum in Erfüllung, die Welt vielleicht ein kleines bisschen besser zu machen.

Kannst du einmal kurz beschreiben, was die Idee hinter „OHNE“ ist?

Der Müll, der pro Kopf in Deutschland entsteht, liegt mittlerweile bei über 615kg pro Jahr, der größte Teil davon ist Verpackungsmüll, dessen Nutzungszeit minimal ist. Mit dem verpackungsfreien Einkaufen kann man Müll reduzieren und durch Verzicht auf Verpackung auch Ressourcen einsparen. Ein weiterer Gedanke ist, genau die Menge kaufen zu können, die man benötigt, keine Mogelpackung oder Größen, die am Ende des Tages im Müll landen. Lebensmittelverschwendung – über 80 kg Lebensmittel werden im Jahr pro Kopf weggeworfen – kann man damit auch entgegenwirken. Neben diesen beiden schönen Effekten kauft man durch das Abfüllen meist bewusster ein, der Bezug zum Lebensmittel ist wieder mehr gegeben. Unser Laden bietet neben den Lebensmitteln noch einen Zero Waste-Bereich mit Non Food-Artikeln, die plastikfreie Alternativen bieten, wie z.B. Haarseifen, Edelstahlbehälter, Wasch- und Spülmittel und vieles mehr. Wir bieten Workshops, Führungen und Veranstaltungen an. Unser Laden bietet zudem einen Bistrobereich. So entsteht durch das Gesamtkonzept ein Ort, der nicht nur zum Einkaufen da ist, sondern an dem man sich auch mit Gleichgesinnten austauschen kann.

Bevor du Geschäftsführerin von „OHNE“ geworden bist, hast du bei einer Bank und einem Medienunternehmen gearbeitet. Wie kam es dazu, dass du deinen sicheren Job an den Nagel gehängt hast, um bei „OHNE“ einzusteigen?

Der Wunsch, etwas Eigenes im Bereich Nachhaltigkeit zu machen, schlummerte schon lange in mir, es hat wohl nur den richtigen Zeitpunkt gebraucht, um es in die Realität umzusetzen. Diese Entscheidung habe ich bis heute noch keine Sekunde bereut ☺

Das Konzept des verpackungsfreien Einkaufens gibt es ja auch in anderen Städten, z.B. bei Original Unverpackt in Berlin. In Hamburg ist gerade ein ähnliches Konzept in der Entstehung. Gibt es einen Austausch innerhalb der Szene? Unterstützt man sich gegenseitig und teilt das Wissen?

Ja, klar, es gibt ein Netzwerk, in dem sich die Inhaber untereinander austauschen. Das ist auch unglaublich wichtig, weil man viel dazu lernt. Es vergeht zudem kaum eine Woche, in der keine Gründer in spe unseren Laden besuchen und sich erkundigen, wie man sowas aufziehen kann. Sowas freut uns natürlich immer.

Aber kommen wir mal zu dem, was sich wahrscheinlich viele fragen: Wie sieht euer Sortiment aus? Bekomme ich bei euch alles, was ich auch in einem „normalen“ Supermarkt finde?

Wir bieten ein vegetarisches Vollsortiment im Food-Bereich an. Zudem haben die Kunden die Möglichkeit, samstags bei uns Käse zu kaufen, hierfür arbeiten wir mit einer Käserei vom Ammersee zusammen.

Ich komme also einfach bei euch vorbei und kaufe ein, wie ich es auch von Edeka und Co gewöhnt bin?

Das kann man so nicht ganz sagen. Wir bieten Pfandgläser zum Leihen sowie Stoffbeutel, Gläser etc. zum Kauf an, um die Produkte direkt abzufüllen. Idealerweise kommen die Kunden aber mit ihren eigenen Behältern, die sie an der Kundenwaage abwiegen, um dann direkt ihren Einkauf dort rein zu füllen. Daher bedarf es ein wenig mehr Vorausplanung als ein Einkauf in anderen Supermärkten. Aber das sollte niemanden abhalten, uns zu besuchen.

Lebensmittel ohne unnötigen Verpackungsmüll zu verkaufen ist ja nur die eine Seite. Worauf achtet ihr bei der Auswahl eurer Lieferanten? Müssen diese bestimmte Kriterien erfüllen?

Klar haben wir da unsere Kriterien. Wir sind Bio-zertifiziert, heißt, bei uns bekommt man Lebensmittel in Bioqualität. Wir recherchieren sorgfältig, bevor wir ein Produkt in unser Sortiment aufnehmen. Neben dem Gedanken, Müll zu reduzieren, ist es uns sehr wichtig, auf Regionalität zu achten und darauf, dass jeder in der Herstellungs- und Lieferkette eine angemessene Entlohnung erhält.

Ihr habt jetzt seit Februar 2016 geöffnet. Wie ist das erste Fazit? Wird der Laden von euren Kunden gut angenommen?

Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht… Auch nach sieben Monaten vergeht kein Tag, an dem nicht neue Kunden den Laden betreten mit der Aussage „Euch wollte ich schon lange einmal besuchen kommen“. Daneben haben wir aber auch schon viele Stammkunden gewonnen. Es ist schön, ein Einkaufserlebnis zu schaffen, in dem der Kunde als Mensch wahrgenommen wird, man Zeit für kurze Gespräche hat und einen Ort geschaffen hat, an dem sich die Kunden wohlfühlen. Neben unseren Kunden dürfen wir außerdem regelmäßig Schulklassen von Groß bis Klein zu einer Führung in unserem Laden begrüßen.

Lebensmittel ohne Verpackung zu kaufen mag für manche Menschen befremdlich sein. Musstet ihr spezielle Auflagen zum Thema Hygiene etc. einhalten?

Es bedarf bei Vielen auf jeden Fall ein Umdenken im Kopf. Die Konsumenten sind es oftmals schlichtweg nicht gewohnt, so einzukaufen. Aber mit kleinen, leichten Schritten ist die Umstellung schneller geschafft als man schauen kann. Was die Auflagen angeht, haben wir neben den „normalen“ Kriterien im Lebensmittelbereich noch einige zusätzliche Punkte zu erfüllen. Aber das ist für uns auch völlig in Ordnung, denn wir wollen in jedem Fall sicherstellen, dass die Kundschaft zu jeder Zeit auf beste Qualität bei uns setzen kann.

Im internationalen Vergleich sind Lebensmittel in Deutschland extrem günstig. Discounter haben uns zu einer Billig-Mentalität erzogen, die nur schwer aus den Köpfen zu bekommen ist. Sind die Kunden bereit, bei euch für die regionalen und biologischen Lebensmittel etwas tiefer in die Tasche zu greifen?

Dieser Aussage kann ich voll und ganz zustimmen. Wir sind es schlichtweg nicht mehr gewohnt, den angemessenen Preis für ein Lebensmittel zu bezahlen. Dabei schaden sich die Menschen mit dem Billigkonsum in aller erster Linie selbst, wenn sie ihrem Körper minderwertige Ware zumuten. Ich habe das Gefühl, dass das Thema mittlerweile präsenter in den Köpfen ist und ein Umdenken stattfindet. Mit Entwicklungen wie den Protesten gegen TTIP oder dem Plastiktütenverbot wird das Thema umfassender in der Presse behandelt und die Menschen werden zum Nachdenken angeregt. Da tut sich in letzter Zeit so Einiges. Aus unserer Erfahrung lässt sich sagen, dass die Kunden durchaus bereit sind, einen fairen Preis zu zahlen. Im Gegenzug wollen Sie wissen, wo die Produkte herkommen, wie sie produziert wurden und wer sie produziert hat. Diese Informationen erhalten sie von uns zu jeder Zeit.

Was habt ihr mit „OHNE“ noch geplant? Gibt es Ideen, die über den verpackungsfreien Verkauf von Lebensmitteln hinausgehen?

Ideen gibt es genügend. Und einige davon machen wir bereits. Neben der Möglichkeit, Lebensmittel unverpackt bei uns zu kaufen, können die Kunden in unserem Non Food-Bereich Produkte und Artikel erwerben, die ihren Haushalt und ihren Lebensstil Richtung “Zero Waste” ermöglichen. Von Edelstahlstrohhalmen oder Lunchboxen aus Edelstahl über Waschmittel hin zu Kosmetik wie Hand- und Gesichtscreme sowie Shampoo oder Bambuszahnbürsten ist alles dabei, um nur einen kleinen Einblick in unser Zero-Waste-Sortiment zu geben. Und auch Veranstaltungen zum Thema gibt es immer wieder bei uns im Laden.

Liebe Christine, vielen Dank für das Gespräch!

Aber gerne doch!

OHNE der verpackungsfreie Supermarkt GmbH
Schellingstraße 42
80799 München-Maxvorstadt

Öffnungszeiten:
Mo.-Fr. 9:00 – 19:00
Sa. 9:00- 17:00

http://www.ohne-laden.de/
https://www.facebook.com/OHNE-Der-verpackungsfreie-Supermarkt-865901930138055/

Wie eingangs erwähnt, soll es auch in Hamburg bald einen verpackungsfreien Supermarkt geben. Derzeit sammelt “Stückgut” bei Startnext im Rahmen eines Crowdfundings und auch ihr könnt “Investor” dieser tollen Bewegung werden. Mehr Details dazu findet ihr hier:

http://www.stueckgut-hamburg.de/
https://www.startnext.com/stueckgut

Eine aktuelle Übersicht aller Zero Waste-Initiativen findet ihr drüben bei Utopia.de:

https://utopia.de/ratgeber/verpackungsfreier-supermarkt/

Kategorie Themen

Moin, Peter mein Name. 30 Jahre alt, Wahlhamburger mit süddeutschen Wurzeln und der Kopf hinter Kost. Ich poste mein Essen schamlos auf Instagram und wenn du mich loswerden willst, kannst du mich gerne auf jedem x-beliebigen Wochenmarkt aussetzen. Dann bin ich erstmal ein paar Stunden beschäftigt...

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